31. Juli 2019

Muss ja, ne? – Der wirklich wichtige Bachelor 2019

„Naaaaaaaaaaaaaaa, wie läuft’s mit der Bachelorarbeit :)?“

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diese Frage in den vergangenen Monaten gehört habe. Zu oft. So oft, dass ich mein Statusupdate irgendwann auf das Nötigste beschränken musste, um mein Nervenkostüm zu schonen. „Muss ja, ne?“, habe ich dann nur noch gesagt. Und das fasst es eigentlich ganz gut zusammen. Denn es musste ja tatsächlich. Also laufen. Diesen kleinen Satz würde ich im Nachhinein als Motto meiner Bachelorarbeitszeit bezeichnen. Dass es nicht läuft, war ja keine Option. Der Termin zur Abgabe stand: Der 12.06.2019. Die Erwartungen (eigene, die des Profs und von deepblue) waren da und groß. Also Attacke. Immer mit dem großen Ziel vor Augen: Abschluss. Hut werfen. Fertig sein.

Die erste Hürde habe ich schon einige Zeit vor offiziellem Schreibstart im April genommen: Das THEMA. Unterschätzt man gerne, habe ich gemerkt. Ich bin mit einer sehr allgemeinen Richtung gestartet und die relativ große Freiheit bei der Themenwahl (deepblue hat mir da komplett das Ruder überlassen) war für mich irgendwie Fluch und Segen zugleich. Wie wenn man im Supermarkt mit vieeel zu viel Auswahl vor dem Marmeladenregal steht. Nur, dass kein Brunch, sondern meine akademische und berufliche Zukunft von der Entscheidung abhängt. Gefühlt zumindest. Die erste Idee für mein Thema kam mir dann bei einem Projekt, an dem ich in meiner 5. Praxisphase bei deepblue gearbeitet habe. Irgendwas mit Apps sollte es werden. Am besten etwas, das nicht sofort langweilig wird. Also einen ersten Überblick der Literatur verschaffen und nach Inspirationen stöbern.

Ich bin ganz ehrlich, ein bisschen Verzweiflungspotenzial gibt es bei der Themenwahl schon. Es muss weit genug gefasst sein, um überhaupt eine Bachelorarbeit füllen zu können, konkret und limitiert genug, um diesen Rahmen nicht zu sprengen. Es muss zum Unternehmen passen und zu einem selbst natürlich. Es muss einem Professor gefallen, der die Arbeit dann betreut und später auch noch vom Prüfungsausschuss genehmigt werden, also dessen akademischen Anspruch erfüllen.

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Meine große Hilfe bei dieser Monsteraufgabe waren (so wie es ja idealerweise sein soll) mein betreuender Professor an der HSBA und mein BA-Mentor im Unternehmen, Lasse. Nach ein bisschen E-Mail-Ping-Pong und zwei Brainstorming-Terminen bin ich schließlich bei meinem Thema gelandet: „Emotionalität von Interfaces als Erfolgsfaktor für Mobile Apps am Beispiel der Migros App“ (Uff, I know).

Free Pro Tipp zur Themenwahl für alle zukünftigen Bachelor_ettes an dieser Stelle: Behaltet im Hinterkopf, dass ihr euch Wochen und Monate up close and personal mit dem Thema beschäftigen werdet. Sucht euch also bestenfalls etwas, das ihr auch persönlich interessant und untersuchenswert findet. Bei mir hat das ganz gut funktioniert.

Nachdem ich also wusste, WAS ich in meiner Bachelorarbeit untersuchen / analysieren / beleuchten wollte, stellte sich dich die Frage nach dem WIE, also nach der METHODIK. Und auch hier sind den Möglichkeiten quasi keine Grenzen gesetzt. Von Analysen und Vergleichen über Umfragen und Experteninterviews bis hin zu Fokusgruppen und Eyetracking-Studien ist alles möglich. In meiner Arbeit habe ich deduktiv geforscht, mir also erst anhand der Literatur die allgemeine Theorie erarbeitet, daraus eine Forschungsfrage und Hypothesen für meinen konkreten Fall abgeleitet und diese dann in einem Experiment geprüft.

Meine Forschungsfrage lautete: Beeinflusst die Emotionalität des Interfaces den Erfolg von mobile Apps? Also: Bewirkt eine emotionalere Gestaltung, dass Nutzer_innen anders (besser) mit einer App interagieren? Solche Zusammenhänge sind für das Produktdesign allgemein und z. B. auch für den Bereich des Webdesigns umfangreich untersucht und bekannt. Daher meine Hypothese: Das Gleiche gilt auch für mobile Apps. Eine emotionale Gestaltung wirkt sich positiv auf deren Nutzung aus. Positiv heißt in meiner Arbeit konkret: Längere Verweildauer und mehr Interaktionen. Das galt es dann in einem konkreten Experiment zu prüfen.

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Ich habe dazu einen User Test mit zwei verschiedenen Versionen der Migros App durchgeführt. Eine Kontrollversion, die nicht besonders emotional, sondern eher funktional gestaltet ist und eine deutlich emotionalisierte Experimentalversion. Von meinen 28 Proband_innen hat sich jeweils die Hälfte durch eine Version der App geklickt und ich konnte mit Hilfe von Screenvideos tracken und auswerten wie die Nutzer_innen mit unterschiedlichen Interfaces interagieren.

Mit dem Thema und der Methode (und wieder tatkräftiger Unterstützung meiner BA-Support-Squad) kam dann auch die GLIEDERUNG. Für mich war die Gliederung DIE Stütze, an der ich mich beim tatsächlichen Schreiben später entlanggehangelt habe. Wichtig war für mich, sie nicht als festes und starres Gerüst zu sehen, sondern eher roten Faden, der sich noch bewegen, verschieben und verbiegen lässt. Je mehr Quellen ich durchgearbeitet habe, desto näher bin ich dann dem finalen Aufbau der Arbeit gekommen. Im Prozess ist also durchaus noch das ein oder andere Kapitel rausgeflogen und dazugekommen. Gehört finde ich dazu.

Der Part der LITERATURARBEIT war bei mir einer der wichtigsten und anstrengendsten. Noch bevor mein Thema final stand, habe ich viele (vieeeele) Journal Artikel, Paper, Essays, Promotionsarbeiten, Lexikon-Einträge, … gewälzt. Ich denke, je mehr Zeit man sich dafür nimmt und je gründlicher man seine Quellen strukturiert und aufbereitet, desto leichter fällt nachher das Schreiben. Hätte ich das mal vorher gewusst… :D. Wichtig: Mit der Literaturarbeit kann man nicht bis nach der Gliederung warten. Die muss man von Anfang an betreiben, um überhaupt bei einem vernünftigen Thema und einer sinnvollen Gliederung anzukommen. War zumindest meine Erfahrung.

Das SCHREIBEN meiner Bachelorarbeit war zwar die intensivste und schlafloseste Phase für mich, aber gemessen an der Anzahl der Wochen (insgesamt waren es knapp 9 Wochen von Anmeldung bis Abgabe der Arbeit) auch die kürzeste. Erstmal habe ja ich noch meine Proband_innen rekrutiert, die User Tests durchgeführt und ausgewertet, dabei noch mehr Quellen gelesen (überfolgen) und an der Gliederung gefeilt. Und dann innerhalb von 3 Wochen alles runtergeschrieben (wahre Geschichte, aber KEINE Empfehlung!).

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Lief rückblickend betrachtet nicht von alleine, aber doch eigentlich ganz gut. Musste ja auch, ne?

Man hört von vielen, die das Ganze schon hinter sich haben, das sei alles gar nicht so schlimm und anstrengend, wie man denkt. Zu den Vielen möchte ich nicht gehören. Die Erinnerungen sind noch so frisch, dass ich stattdessen sagen möchte: Doch es ist anstrengend und manchmal auch schlimm. Aber manchmal hat man eben auch Durchbrüche und echte Highlights, an denen man merkt, wie weit man seit dem Ersti-Tag doch gekommen ist.

Zum Beispiel, wenn man seinen Titel ENDLICH gefunden hat und der einfach so schön professionell und akademisch anspruchsvoll klingt. Und die Gliederung ENDLICH alles beinhaltet, was man zu seinem Thema sagen möchte und kann. Und wenn man ENDLICH den ersten Entwurf der Arbeit an seine fleißigen Korrektur-Engel (sind sie wirklich, so spaßig ist der Job glaube ich nicht) verschickt hat. Und vor allem, wenn man dann ENDLICH (!!!) das ausgedruckte und gebunden Exemplar der EIGENEN BACHELORARBEIT in Händen hält. Da platzt man schon ein bisschen vor Stolz (aber hauptsächlich wohl vor Erleichterung).

An alle, die diese spannende und aufreibende Lebensphase also noch vor sich haben oder gerade mitten drinstecken: You got this! Ja, es ist hart. Ja, es wird der Moment kommen, da ihr alles hinschmeißen und Instagram-Travel-Influencer werden wollt, ABER es ist zu schaffen UND wann ist man schon stolzer als nach der Abgabe dieses (very VERY high maintenance) Babys?

Vielleicht nach dem Master? Doktor? Kann ich nichts zu sagen. Erstmal reichts. Jetzt auf, Hüte werfen.

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Laura - Duale Stundentin Beratung