8. März 2019

Merry christmas Athens and a happy new yeahhh

Überwältigend erscheinen am Sonntagnachmittag in ihrer epischen Breite nicht nur die Bauten der Akropolis, die umringt von einem Häusermeer aus Februargrau und Ockerweiß tapfer gegen den Wind stehen. Auch aus dem Eingang der Hotellobby des Electra Metropolis erscheinen mutige Sonnenbrillen und Schirmmützen. Bewaffnet mit Rollkoffern und Augenringen müssen sie die liebgewonnene Stadt wieder verlassen. Im Gepäck haben sie dafür eine geile Zeit und die tiefe Zufriedenheit, das vergangene Arbeitsjahr gebührend verabschiedet zu haben.

Knapp 58 Stunden vorher. Am Hamburger Airport Helmut Schmidt ploppt um circa 5:20 Uhr das erste Flens. Reiseleiter Ronald, genannt „Ronny“, schaut dabei spitzbübisch durch seine runden Brillengläser, während er fachmännisch Kürzel auf dem Klemmbrett abhakt – ach wie gut es doch tut, einmal die Kontrolle abzugeben. An Eigenelan mangelt es trotzdem nicht. Alle da, alles klar, ab geht’s.  Noch ein letzter Blick aus dem Fenster auf die bereits rauschend kleiner werdenden Dächer und Straßen Hamburgs und schon verwandelt sich das Flens bei einigen in Tomatensaft. Bei anderen bleibt aber auch im Flieger die Sicht durch den Plastikbecher ungetrübt, denn Schnaps ist Schnaps und Dienst ist… heute eben auch schnapsegal oder?

Das Glück kennt keine Grenzen, als zunächst nur das Fahrwerk und dann der erste Fuß auf griechischem Boden aufsetzt. Wenige Busminuten später im Herzen der Stadt werden - fußläufig zu Syntagma Square - die Gemächer bezogen. Mit Zimmerschlüssel und qualmenden Sohlen im Anschlag freut sich jetzt jeder auf ein kurzes Päuschen. Füße aufs Bett, kurz ankommen und dann raus zurück in die neue Wirklichkeit.

Sind wir tatsächlich hier? Ja, und wie schön es ist! Die Sonne winkt bei angenehmen 16 Grad hinter jeder Häuserecke und kleine Grüppchen beginnen sich ameisenartig dem mit duftenden Oleanderbüschen bewaldeten Hang des Parthenons zu nähern.

Beinahe ausgerutscht auf einem dieser halsbrecherischen Schlittschuhfelsen, die in Deutschland schon rein aus der Angst vor wütenden Rentnern wohl eher abgesperrt, als in ihrem ursprünglichen, zugänglichen Charme erhalten geblieben wären, geht es aber auch schon zurück zur Basis. Risikobereitschaft muss als deutscher Tourist eben erst gelernt werden. Darum raus aus den Sandalen und rein in den schicken Zwirn.

Busfahrer und Ronny warten bereits fingertrommelnd. Abfahrt zur Gala Location. Das Vorres Museum, benannt nach seinem Mäzen und Stifter Ian Vorres, platzt fast vor Eleganz, beherbergt es an diesem Abend neben altertümlicher Folklore und griechischer Gegenwartskunst doch gleich noch das ganze Sonnensystem.

Die Zeit springt ohne Vorwarnung auf 2:32 Uhr. Über die mittlerweile wieder verlassene Festtafel von intergalaktischer Länge brettern immer weiter die niemals alt werdenden Klassiker der modernen Partygeschichte. Die Tanzfläche bebt, während im Innenhof zwischen Olivenzweigen bei Zigaretten und Wein kultiviert gelabert wird. Langer Tag kurze Nacht. Am Ende steht der Schlaf der Gerechten. Und so betten sich die Planeten, zumindest für ein paar wenige Stunden, griechischen Göttern gleich im Wendekreis des Olymps.

Samstag. Frühstück verpasst? Kein Ding, zum Ausgleich gibt es eine Street Art Führung mit anschließendem Workshop. Wer keine Ahnung von Roll Ups, Bombings oder dem Stencil Style hat, kann sich während des Rundgangs durch die zugigen und abgerockten Gegenden der Stadt reichlich inspirieren lassen. Der Workshop selber findet in einer Rooftop Bar statt, deren Dach leider geschlossen bleiben muss.

Später durchströmen ausgelassene Vibes das Restaurant Fouar. Der zweite gemeinsame Abend in Folge lässt das kollektive Wir-Gefühl explodieren, bis die müden Kellner den harten Kern elegant hinaus komplementieren. Doch Insider wissen Bescheid, wo der nächste heiße Scheiß zu finden ist. Deswegen einfach immer alle hinterher. Noch zweimal rechts, dann links um die Ecke und schon guckt ein Kopf aus einer Wohnungstür.
Er gehört dem Türsteher eines kleinen Clubs, der zunächst unscheinbar aussieht. Doch die Sounds, die die DJane aus ihrem Plattenkoffer fischt, beeindrucken umso mehr. Jeder ist willkommen, alle Leinen los der Mini Club wird für eine Nacht zum interstellaren Wohnzimmer, inklusiver privat Club gar kein Problem.

Wieder Sonntagnachmittag, Check-out und auf Wiedersehen Athen. Schnell noch eine letzte Pita auf die Hand und zwei, drei Flaschen Olivenöl als Mitbringsel eingesackt, dann geht es auch schon Richtung Flughafen. In Athen herrschen an diesem Tag fast schon arktische Temperaturen, der Abschied fällt uns trotzdem nicht leicht.

 

Morris - Trainee Strategie